Sonntag, 9. Mai 2010
Leben und Sterben in den Hot Springs 1
kristin reiss, 02:13h
Branden und ich hatten unsere kleinen Rucksaecke gepackt und entschlossen uns aufzubrechen. Schliesslich war es schon ziemlich spaet & wir hatten noch einen ziemlich weiten Weg vor uns. Branden war die Strecke schon ein paar Mal gelaufen und so hatte ich zumindest den Hauch einer Hoffnung, dass wir uns nicht komplett in den Bergen bzw. in der angrenzenden Wueste verlaufen wuerden. Wir waren bei den Hot (Fossil) Springs in Camp Verde, 3 Stunden noerdlich von Phoenix, Arizona und in der Naehe von Staedten mit so wundervollen Namen wie Strawberry und Sunflower. Nachdem Branden seinen ersten Ueberraschungsschock ueberwunden hatte, wir gemeinsam durch Phoenix gestreift waren und uns die Ohren vollgequatscht hatten, brachen wir Montagabend hierher auf und waren schon einmal den langen Weg zu den Hot Springs hochgepilgert - eine kleine Quelle, die in 2 winzigen Steinbaedern muendet, eingelassen in den Boden einer schmalen Empore hoch oben in den Bergen. Von hier hatte man einen grandiosen Blick auf die vielfaeltige Vegetation & den direkt davor liegenden, reissenden Fluss. Es gibt Geruechte, dass dies ein geheimer Treffpunkt bekannter Hippiegroessen in den 60er und 70er Jahren gewesen sei. Den Steinbemalungen nach zu urteilen gab es hier auf jeden Fall einige, die *Love, Peace and Insanity* als oberste Lebensmaxime heraufbeschworen (hatten).
Auf jeden Fall war es ein exquisiter Platz, der aufgrund seiner Abgeschiedenheit und der eher schwierigen und langwierigen Anreise alles andere als ueberlaufen war. Man traf hier eher auf wilde Camper, die eine wahnwitzige Story nach der naechsten aus dem Aermel schuettelten. Der Plan war fix klar gewesen: wir hatten noch ein paar Sachen in Phoenix zu erledigen, machten uns dann aber schnurstracks auf, um die Hot Springs zu geniessen und spaeter weiter in Richtung Grand Canyon zu pilgern.
Geplant, getan. Mittlerweile hatten wir gut die Haelfte der Strecke zuruckgelegt und befanden uns am Schneidepunkt unserer Wuestenwildniswanderung. Die riesen Baeumen mit ihren bis zum Boden haengenden Schlingpflanzen hatten uns bereitwillig Platz gemacht, die Kakteen mit ihren, wie es schien immer zum Salut bereiten Stachelarmen hatten uns vielmehr sogar noch den Weg gewiesen, aber der reissende Strom vor uns schien uns eher weniger wohlgesonnen und spuckte wilde Drohungen aus. Jetzt hiess es: volle Konzentration! Wir schluepften aus unseren Schuhen und visierten das 10 m entfernte Ufer im Dunkel an. Schritt fuer Schritt tapsten wir auf den glatten und rutschigen Steinen vorwaerts bis wir knietief im Wasser standen. Das Wasser peitschte gegen unsere Beine und haette ich mich nicht an Branden festgehalten, waere ich schon laengst mitgerissen wurden. Branden hatte aufgrund seiner Groesse noch einen gewissen Vorteil, aber auch er hatte ziemlich zu kaempfen und verlor Sekunde um Sekunde an Boden. Schliesslich steckten wir fest. Wir mussten alle Kraft darauf verwenden, nicht fortgerissen zu werden und konnten uns keinen Zentimeter mehr zur Seite bewegen. Dafuer rutschten wir immer weiter flussabwaerts und entfernten uns von der Stelle, die gerade noch geeignet zu sein schien ohne groessere Schuerfwunden ans Ufer zu gelangen. Fuer einen Moment sah ich uns den Kampf gegen die Naturgewalt schon verlieren und mit der Stroemung mitgezogen werden, als mir irgendeine innere Stimme befahl mich um die eigene Achse zu drehen. Ich glitt noch einen Schritt nach hinten, wirbelte herum und zog Branden mit mir. Von einer Sekunde zur naechsten aenderten sich die Energiestroeme und die Natur schien nicht mehr gegen uns zu arbeiten, sondern entliess uns sanft auf die andere Seite.
Ich war fix und fertig. Meine Stimmung hatte sich von *lass uns eins mit der Natur sein* hin zu *lass uns das hier ueberleben* entwickelt. Jegliches Stueck Stoff an meiner Haut trifte vor Wasser und die naechtliche Kaelte kroch mir den Ruecken hoch. Ich war in einem kompletten Survivalfilm gefangen und ratterte im Kopf einige Loesungsstrategien ab. Wechselklamotten? Keine dabei. Decke? Natuerlich nicht. ETWAS ZU ESSEN? Wir hatten noch einen halben Liter Wasser...
Nach einer weiteren halben Stunde Fussmarsch erreichten wir endlich die Hot Springs. Doch ich traute meinen Augen kaum: Der erste Badezuber war bis auf eine 10cm Pfuetze komplett leer!
Auf jeden Fall war es ein exquisiter Platz, der aufgrund seiner Abgeschiedenheit und der eher schwierigen und langwierigen Anreise alles andere als ueberlaufen war. Man traf hier eher auf wilde Camper, die eine wahnwitzige Story nach der naechsten aus dem Aermel schuettelten. Der Plan war fix klar gewesen: wir hatten noch ein paar Sachen in Phoenix zu erledigen, machten uns dann aber schnurstracks auf, um die Hot Springs zu geniessen und spaeter weiter in Richtung Grand Canyon zu pilgern.
Geplant, getan. Mittlerweile hatten wir gut die Haelfte der Strecke zuruckgelegt und befanden uns am Schneidepunkt unserer Wuestenwildniswanderung. Die riesen Baeumen mit ihren bis zum Boden haengenden Schlingpflanzen hatten uns bereitwillig Platz gemacht, die Kakteen mit ihren, wie es schien immer zum Salut bereiten Stachelarmen hatten uns vielmehr sogar noch den Weg gewiesen, aber der reissende Strom vor uns schien uns eher weniger wohlgesonnen und spuckte wilde Drohungen aus. Jetzt hiess es: volle Konzentration! Wir schluepften aus unseren Schuhen und visierten das 10 m entfernte Ufer im Dunkel an. Schritt fuer Schritt tapsten wir auf den glatten und rutschigen Steinen vorwaerts bis wir knietief im Wasser standen. Das Wasser peitschte gegen unsere Beine und haette ich mich nicht an Branden festgehalten, waere ich schon laengst mitgerissen wurden. Branden hatte aufgrund seiner Groesse noch einen gewissen Vorteil, aber auch er hatte ziemlich zu kaempfen und verlor Sekunde um Sekunde an Boden. Schliesslich steckten wir fest. Wir mussten alle Kraft darauf verwenden, nicht fortgerissen zu werden und konnten uns keinen Zentimeter mehr zur Seite bewegen. Dafuer rutschten wir immer weiter flussabwaerts und entfernten uns von der Stelle, die gerade noch geeignet zu sein schien ohne groessere Schuerfwunden ans Ufer zu gelangen. Fuer einen Moment sah ich uns den Kampf gegen die Naturgewalt schon verlieren und mit der Stroemung mitgezogen werden, als mir irgendeine innere Stimme befahl mich um die eigene Achse zu drehen. Ich glitt noch einen Schritt nach hinten, wirbelte herum und zog Branden mit mir. Von einer Sekunde zur naechsten aenderten sich die Energiestroeme und die Natur schien nicht mehr gegen uns zu arbeiten, sondern entliess uns sanft auf die andere Seite.
Ich war fix und fertig. Meine Stimmung hatte sich von *lass uns eins mit der Natur sein* hin zu *lass uns das hier ueberleben* entwickelt. Jegliches Stueck Stoff an meiner Haut trifte vor Wasser und die naechtliche Kaelte kroch mir den Ruecken hoch. Ich war in einem kompletten Survivalfilm gefangen und ratterte im Kopf einige Loesungsstrategien ab. Wechselklamotten? Keine dabei. Decke? Natuerlich nicht. ETWAS ZU ESSEN? Wir hatten noch einen halben Liter Wasser...
Nach einer weiteren halben Stunde Fussmarsch erreichten wir endlich die Hot Springs. Doch ich traute meinen Augen kaum: Der erste Badezuber war bis auf eine 10cm Pfuetze komplett leer!
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