Sonntag, 9. Mai 2010
wesentliche Importgueter - unvollstaendig
Ach und bitte: koennen wir die lateinamerikanische Leidenschaft einmal importieren?
1. es gibt hier verdammt viele Paare
2. sie alle fallen sich in die Arme, kuessen sich und rollen sich ueber den Boden (gut, das hab ich bisher nur einmal gesehen) als haetten sie sich MONATE nicht gesehen!

Hey- es ist Fruehling liebe Leut`s - ich hoffe ihr macht den Hispanics zumindest ein bisschen Konkurrenz in Deutschland!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mexikos San Francisco
Ich weiss nicht genau, was ich von Mexiko erwartet hatte, aber das war es definiv nicht: wahnsinnig saubere Plazas mit teils pompoesen Springbrunnen, auffallend viele gleichgeschlechtliche Paare und fesche Jugendliche, die entweder Marke Skatergirl/-boy (mind. 1 Piercing) waren oder direkt dem Leipziger Wave Gothic Treffen entsprungen schienen (mind. 3 Piercings). Als ich auf einer meiner Streiftouren durch die Stadt vor einem Strassenstand mit der Aufschrift "Gay Tacos" und der charakteristischen bunte Flagge stand, fragte ich meine neue Lieblingskiwine Amy: "Where the hell are we actually?"

Wir waren in Guadalajara. Ich hatte die mexikanische Grenze mit dem Bus ueberquert und mein Hintern war nach 29-stuendiger Fahrt platt wie eine Flunder. Eigentlich war die lange Fahrt ziemlich okay: ich musste mit keinem reden und hatte genug Zeit meine Wunden zu lecken (aufgrund der Umstaende war so etwas wie ein Happy End in Phoenix eh nicht zu erwarten, aber letztendlich endete alles sogar in einem totalen Fiasko..), 2 Sachen liessen mich jedoch mit einem eher zwiespaeltigem Gefuehl zurueck:

1. Grenzbeamte finden es defintitiv eher komisch und werden misstrauisch, wenn man als einzige Weisse in einem Bus voller Mexikaner die Grenze ueberquert. Eine mehr oder weniger kleine Fragestunde und exzessive Gepaeckkontrollen musste ich daher ueber mich ergehen lassen. Letztendlich dauerte alles aber nicht laenger als 1ne Stunde, was sich sehr im Rahmen hielt, da hatte ich schon ueblere Storys gehoert..
2. Ich bekam keinen verdammten Stempel in meinen Pass geschweige denn ein Visum. Es war also weder ersichtlich, dass ich aus den USA aus-, noch, dass ich nach Mexiko einreiste. Ich diskutierte mit den Grenzbeamten, da der Typ mir am Phoenixer Airport eingetrichtert hatte, man wuerde einen Teil meines in meinen Pass eingetackerten Tourivisums wieder entfernen, wenn ich die Staaten verlasse. Beide Grenzbeamten schuettelten den Kopf und da keine/r meiner Mitreisenden seinen Pass gestempelt bekam, gab ich mich schliesslich geschlagen und beruhigte mich damit, dass sie doch wissen mussten, was sie tun (*and the award for being the most naive person on the planet goes to .... Kristin Reiss! Congratulations!!*). Nach meiner Ankunft in Mexiko fragte ich noch ein paar Leute diesbezueglich und alle winkten beschwichtigend ab, sodass ich mich fuer ein paar Stunden einem ignoranten Sicherheitsgefuehl hingab (Motto: Augen zu und durch), bis mir diese 2 Maedels aus Vermont in Mexico City beim Fruehstueck die Story eines Typens erzaehlten, den sie beim Reisen getroffen hatten: Er hatte die Grenze zu Fuss ueberquert und auch keinen Vermerk in seinen Pass bekommen. Als er schliesslich am Flughafen stand, um Mexiko zu verlassen und in seine Heimat Kanada zurueckzukehren, hielten sie ihn fest, sodass er seinen Flug verpasste. Seit wann er da waere fragte ich. November... Aaahhh.. Anscheinend zahlte er eine fette Gebuehr, erhielt die Ausreisegenehmigung und sollte heute nun endlich Mexiko verlassen duerfen. ... I think I need to figure something out...

Soviel jedenfalls zur mehr oder minder geglueckten Einreise nach Mexiko. Amy und ich hatten fuer den folgenden Sonntag derweil entschieden, die autofreien Stunden von 10 bis 2 zu nutzen und mit dem Fahrrad durch die Stadt zu cruisen. Und wenn ich crusien sage, dann meine ich crusien. Uns blieb gar nichts anderes uebrig, denn mit den pornoesen Fahrraedern, welche wir von der Jugendherberge, gestellt bekamen, konnte man nur rumprollen. Wir entschieden uns fuer das entsprechende Outfit: Sonnenbrille mit tellergrossen Glaesern, Shirt jeweils einhergehend mit der Farbe des Gestells: Amy in Weiss, ich in Blau. Wir sahen wunderbar laecherlich aus & brachten usn mit unserem *way over the top-Stil* minuetlich selbst zum lachen (wer jetzt seinen Glauben an mich verliert hat wohl noch nie die Story der 100 Muetzen und Huete gehoert, die ich beim Hamburger Fundbuero ersteigerte...).

Es ging also los auf die Strasse. Die vierspurige Avenida Mandro war komplett gesperrt und an jeder Kreuzung regelten Freiwillige den Verkehr. Ganz Guadalajara schien auf den Beinen (oder auf dem Hintern) und peste die Strasse entweder auf Skates, Longboards oder eben Fahrraedern entlang. Es war ein riesen Event und wir cruisten inmitten der Menschenmasse dem Stadtrand entgegen. Nach circa einer Stunde erreichten wir den Endpunkt dieser Route und strandeten bei einer kleinen Verkehrsinsel, die umrundet wurde von einem Dutzend Skater. Oberkoerper frei, taetowiert, gepierct, die Baggys knapp unterm Arsch haengend und alles in allem natuerlich sowas von coooool ;) Unser absoluter Favorit war geschaetzte 8 Jahre alt und steckte mit seinen Tricks all die Grossen locker in die Tasche. Er bewegte sich so selbstsicher zwischen all den Skateprofis hin und her, dass jetzt schon klar war: dieses Kid wuerde die Welt erobern! Muetter: gebt Acht auf eure Toechter bzw. Soehne (und: wenn jemals ein Kind- dann so eins! :)

Amy und ich hingen ein wenig rum und liessen noch einwenig die Skaterkulisse auf uns wirken, als Amy es ziemlich auf den Punkt brachte: "I feel like I am somewhere in San Francisco but not somewhere in Mexico!" (wie sich spaeter herausstellen sollte wurde Gualadajara eben genau so, als San Francisco oder auch Beverly Hills Mexiko Citys betitelt - zumindest laut des Lonely Planets, den ich mir am Abend von einem Maedel aus dem Hostel lieh). Tja- so kam es also, auf der Suche nach der von Phoenix per Bus erreichbaren und moeglichst suedlich gelegenen Stadt in Mexiko war ich also in der Stadt der Reichen und Schoenen gelandet, naja, oder von anderer Warte her betrachtet: in einem der liberalsten Regionen des Landes.

Amy und ich stiegen alsbald wieder auf unsere Fahrraeder, fuhren die Strasse ein Stueck weit zurueck und stiessen schliesslich auf eine andere Route, die ebenfalls komplett gesperrt war fuer jegliches motor-betriebenes Vehickel. In dem naiven Irrglauben, dass es sich um eine Rundtour handeln wuerde, die uns frueher oder spaeter ins Stadtinnere zurueckfuehrt, traten wir voller Tatendrang in die Pedale und erreichten 2 Stunden spaeter einen Park, der auch das Ende der Streck markierte und weit ab von gut und boese lag. Sackgasse.

Unsere Fragen wie wir denn am besten das Stadtzentrum erreichen koennten, quittierte mensch entweder mit einem hilflosen Schulterzucken oder mit einem "Oh no" gefolgt von dem Hinweis, dass dies enorm weit weg sei. Dumm auch, dass es 5 vor 2 war und exakt wenige Minuten spaeter alle Absperrbaender und Hinweisschilder entfernt wurden, die vorher den Weg markiert hatten. To tell a long story short: Wir kamen gegen 7 in der Stadt an, hatten drohende Hupgebaehrden souveraen ignoriert und alle Beinahunfaelle knapp vermeiden koennen, waren hundemuede, aber zumindest ich war super zufrieden (Amy murmelte etwas von nie wieder Fahrrad fahren) - nachdem ich ueber 24 Stunden in einem Bus verbracht hatte, war es eine wahre Wohltat gewesen, einen kompletten Tag auf einem Drahtesel zu verbringen und sich zu bewegen.

Ich verbrachte noch 2 weitere Tage in Gualdajara und versuchte vor allem meine nicht vorhandenen Spanischkenntnisse an die Frau und an den Mann zu bringen. Mit folgenden Resultaten:

1. Als ich den 3 suessen Damen eines mexikanischen Restaurants erklaerte, dass ich Vegetarierin sei und daher kein Fleisch esse, servierte man mir verstaendnisvoll ein ueberdimensionales Huehnchen (unter dessen toten Koerper man nach laengerem Suchen sogar ein paar Reiskoerner ausfindig machen konnte). Anmerkung hierzu: Ich liess mir sagen, dass dies weniger an meinen katastrophalen Sprachkenntnissen lag als vielmehr an dem weit verbreitetem Unverstaendnis bezueglich des Konzeptes des Vegetariertums. Die naechsten Tage lernte ich alle moeglichen Fleischsorten auswendig..
SIN carne
SIN pollo
SIN ...
Ich werde zumindest keine Entscheidungsprobleme beim Essen haben. Zwischen 3 uebrig gebliebenen Gerichten kriege ich das definitiv hin mit der Qual der Wahl.

2. Als ich nach den Toiletten fragte, wurde ich in die Kueche an ein Waschbecken gefuehrt ("Aehm.. wirklich? So funktioniert das hier also?" :)

3. anstatt Briefmarken zu erwerben, hielt ich auf einmal Streichhoelzer in der Hand.

TOURISTISCHER KOENNTE MAN SICH MOMENTAN ALSO NICHT AUFFUEHREN! (gut, ich trug noch keine Socken in den Sandalen). Ich bemuehte mich, immer relativ schnell klar zu machen, dass ich aus Deutschalnd und zumindest nicht aus den Staaten kam - MexzikanerInnen scheinen dann gleich noch ein Stueck weit geduldiger und nachsichtiger mit einem.

Zumindest managte ich es, den richtigen Bus zu erwischen und machte mich Dienstagmorgen auf nach Mexiko City, 7 Stunden suedoestlich von Guadalajara.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Leben und Sterben in den Hot Springs 2
Das musste ein Witz sein! In meinem Zustand war ich weder in der Lage zurueck zum Auto zu kommen noch die Stunden bis zu Sonnenaufgang bibbernd in meinen nassen Klamotten zu verbringen. Schnell rannte ich zur zweiten heissen Quelle, die einige Meter entfernt lag und von einer Steinmauer umgeben war. ·!%* sei Dank! Die kleine Grotte war noch bis zum Rande gefuellt. Jetzt verliess mich entgueltig jegliche Energie, ich schluepfte noch schnell aus meinen Klamotten, liess mich in das heisse Wasser gleiten & merkte, wie sich jede Pore meines Koerpers verabschiedete. Circa eine halbe Stunde war ich noch damit beschaeftigt eine Position zu finden, die mich im schuetzenden Nass hielt, mich aber gleichermassen davor bewahrte einfach unterzugehen und zu ertrinken. Ich konnte nicht einmal mehr aufrecht sitzen. Die letzten Tage die nie mehr als 2 oder 3 Stunden Schlaf fuer mich bereit hielten sowie der Jetlag machte sich jetzt gnadenlos bemerkbar und in mir bereitete sich eine derartige Muedigkeit aus, dass ich nur noch in der Lage war, meinen halben Oberkoerper irgendwie auf dem kuehlen Stein zu halten, waehrend der Rest meines Koerpers einfach im Wasser hing.

Wir schliefen ein wenig und ganz in der Frueh hiess es dann: WARTEN AUF DEN SONNENAUFGANG.

Wir standen wieder auf der offenen Empore, direkt ueber dem reissenden Fluss, den wir noch vor ein paar Stunden ueberquert hatten. Es war immer noch ziemlich dunkel, aber ein paar Voegel schienen den nahenden Morgen anzukuendigen. Dann fiel mein Blick auf den aeusseren Badezuber: er war wieder bis oben hin gefuellt und wir tauchten ein, um im Warmen zu sitzen und wenig spaeter das spektakulaerste Farbenspiel ueberhaupt zu erleben.

Wir genossen einfach nur die Natur und beobachteten wie sich alles um uns herum mit jeder Minute veraenderte, als schon kurz nach Sonnenaufgang ein nacktes junges Paerchen mit seinen 2 Hunden aufkreuzte. Die beiden liessen sich nichts anmerken, begruessten uns euphorisch und stiegen zu uns ins warme Nass. Als ich ihn noch einmal genauer betrachtete, wurde mir klar, dass ich ihn bereits gesehen hatte: er war die eine Haelfte eines zum Schiessen komischen Wandererduos gewesen, welches wir gestern auf unserem Rueckweg von den Hot Springs getroffen hatten. Er: klein und unfoermig mit einem Bauch, der nur erahnen liess was sich darunter befand (nicht dass ich es so genau wissen wollte), sein Ruecken nur durch einen Rucksack bedeckt und ansonsten komplett wie Gott ihn schuf, nur noch mit einem Wanderstock ausgestattet. Sein Kampagnion: gross und hager, in kompletter Wuestenmontur, natuerlich tarnfarben, mit langen Aermeln, langen Shorts und einem uebergrossen Cowboyhut. Ein wunderbares Bild, welches ich fuer ewig in meinem Gedaechtnis verwahren werde...

Er und seine augenscheinliche Freundin waren auf jeden Fall zwei ein wenig skurile, aber auf jeden Fall sehr sympathische Gestalten. Als wir sie fragten warum um alles in der Welt sie schon so frueh hier bei den Hot Springs waren, erzaehlten sie eine Story, die mich drei Kreuze machen liess, dass wir diese Nacht nicht versucht hatten, zurueck zum Camp zu finden. Man muss sich nochmal in Erinnerung rufen, dass dieser Platz ziemlich fernab von jeglicher Zivilisation ist. Wilde Camper schlagen hier ihr Lager auf, aber ansonsten gibt es hier eigentlich keine Bewohner dieses Region. Ausser Sam.

Ich hatte Sam nicht selbst getroffen, aber Branden hatte mir vorher schon erzaehlt, dass er sozusagen das Urgestein dieser Region war, der seit Jahren ueber die Hot Springs wachte. Irgendwo in den Bergen hatte er wohl auch ein kleines, zerfallenes Haus, welches er bewohnte. Ansonsten hielt er sich meistens rund um das umzaeunte Gebiet auf, welches wir auf unserem Weg zu den Hot Springs passierten. Die Beschreibungen die mir die anderen zu Sam lieferten liessen in mir nicht unbedingt den Wunsch erwecken, ihm jemals ueber den Weg zu laufen und das was sich da diese Nacht unten im Camp abgespielt hatte, verfestigte meinen Eindruck nur noch.

"We got awake at 4 in the morning because somebody was shouting like hell! Sam this bastard was standing in front of 3 kids and screamed the shit out of them!" erzaehlte unser aeusserst aufgebrachter Nuddistenhobbit. Die Story musste sich ungefaehr so zugetragen haben: 3 Jungs waren wohl schon gestern im Camp aufgekreuzt und irgendwie mussten sie versucht haben, auf das umzaeunte Gelaende zu kommen. Dabei beschaedigten sie das Schloss anscheinend so schwer, dass Sam, der fruehmorgens dort rauf wollte, um zu schauen das alles in Ordnung ist (und um anscheinend den Wasserfluss zu den Hot Springs zu regeln - fragt mich nicht, wie das funktionierte, aber irgendwie schien das miteinander in Verbindung zu stehen) das komplette Ding auseinandernehmen musste und ueber eine Stunde nicht rein kam. Ende vom Lied (please remember: we are in wonderful ARIZONA): SAM griff sich die Jungs UND seine Knarre und schrie geschlagene 45 Minuten den kompletten Platz zusammen. Die Jungs mussten auf die Knie gehen und bettelten wohl minutenlang um Gnade. Ich traute meinen Ohren nicht. "Warum hat keiner die Polizei gerufen?" fragte ich und bekam nur ein muedes Laecheln. "These are the Hot Springs. There will be no police coming down to impose law and order". Das schlimmste war, das sogar die Meinung herrschte, dass es Sams gutes Recht war, seine Knarre zu ziehen und fuer Recht und Ordnung zu sorgen. Wenn nicht er- wer sonst? Tja liebe Freunde, willkommen in den Staaten, willkommen in Arizona, dem Staat in dem es sogar ein Grundrecht ist, seine geladene Waffe mit in die Bar zu nehmen. Willst du als Restaurant-/oder Barbesitzer nicht, dass deine betrunkenen Gaeste irgendwann wild in der Gegend rumschiessen, dann bringe bitte ein Zeichen aussen an (aehnlich dem NO SMOKING-Zeichen), welches darauf verweist.

Branden und ich packten wenig spaeter unsere Sachen, machten uns auf den Rueckweg und brachen nach einer Muetze Schlaf in Richtung Grand Canyon auf. Zwei Tage spaeter hiess es: I am out of here!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Leben und Sterben in den Hot Springs 1
Branden und ich hatten unsere kleinen Rucksaecke gepackt und entschlossen uns aufzubrechen. Schliesslich war es schon ziemlich spaet & wir hatten noch einen ziemlich weiten Weg vor uns. Branden war die Strecke schon ein paar Mal gelaufen und so hatte ich zumindest den Hauch einer Hoffnung, dass wir uns nicht komplett in den Bergen bzw. in der angrenzenden Wueste verlaufen wuerden. Wir waren bei den Hot (Fossil) Springs in Camp Verde, 3 Stunden noerdlich von Phoenix, Arizona und in der Naehe von Staedten mit so wundervollen Namen wie Strawberry und Sunflower. Nachdem Branden seinen ersten Ueberraschungsschock ueberwunden hatte, wir gemeinsam durch Phoenix gestreift waren und uns die Ohren vollgequatscht hatten, brachen wir Montagabend hierher auf und waren schon einmal den langen Weg zu den Hot Springs hochgepilgert - eine kleine Quelle, die in 2 winzigen Steinbaedern muendet, eingelassen in den Boden einer schmalen Empore hoch oben in den Bergen. Von hier hatte man einen grandiosen Blick auf die vielfaeltige Vegetation & den direkt davor liegenden, reissenden Fluss. Es gibt Geruechte, dass dies ein geheimer Treffpunkt bekannter Hippiegroessen in den 60er und 70er Jahren gewesen sei. Den Steinbemalungen nach zu urteilen gab es hier auf jeden Fall einige, die *Love, Peace and Insanity* als oberste Lebensmaxime heraufbeschworen (hatten).

Auf jeden Fall war es ein exquisiter Platz, der aufgrund seiner Abgeschiedenheit und der eher schwierigen und langwierigen Anreise alles andere als ueberlaufen war. Man traf hier eher auf wilde Camper, die eine wahnwitzige Story nach der naechsten aus dem Aermel schuettelten. Der Plan war fix klar gewesen: wir hatten noch ein paar Sachen in Phoenix zu erledigen, machten uns dann aber schnurstracks auf, um die Hot Springs zu geniessen und spaeter weiter in Richtung Grand Canyon zu pilgern.

Geplant, getan. Mittlerweile hatten wir gut die Haelfte der Strecke zuruckgelegt und befanden uns am Schneidepunkt unserer Wuestenwildniswanderung. Die riesen Baeumen mit ihren bis zum Boden haengenden Schlingpflanzen hatten uns bereitwillig Platz gemacht, die Kakteen mit ihren, wie es schien immer zum Salut bereiten Stachelarmen hatten uns vielmehr sogar noch den Weg gewiesen, aber der reissende Strom vor uns schien uns eher weniger wohlgesonnen und spuckte wilde Drohungen aus. Jetzt hiess es: volle Konzentration! Wir schluepften aus unseren Schuhen und visierten das 10 m entfernte Ufer im Dunkel an. Schritt fuer Schritt tapsten wir auf den glatten und rutschigen Steinen vorwaerts bis wir knietief im Wasser standen. Das Wasser peitschte gegen unsere Beine und haette ich mich nicht an Branden festgehalten, waere ich schon laengst mitgerissen wurden. Branden hatte aufgrund seiner Groesse noch einen gewissen Vorteil, aber auch er hatte ziemlich zu kaempfen und verlor Sekunde um Sekunde an Boden. Schliesslich steckten wir fest. Wir mussten alle Kraft darauf verwenden, nicht fortgerissen zu werden und konnten uns keinen Zentimeter mehr zur Seite bewegen. Dafuer rutschten wir immer weiter flussabwaerts und entfernten uns von der Stelle, die gerade noch geeignet zu sein schien ohne groessere Schuerfwunden ans Ufer zu gelangen. Fuer einen Moment sah ich uns den Kampf gegen die Naturgewalt schon verlieren und mit der Stroemung mitgezogen werden, als mir irgendeine innere Stimme befahl mich um die eigene Achse zu drehen. Ich glitt noch einen Schritt nach hinten, wirbelte herum und zog Branden mit mir. Von einer Sekunde zur naechsten aenderten sich die Energiestroeme und die Natur schien nicht mehr gegen uns zu arbeiten, sondern entliess uns sanft auf die andere Seite.

Ich war fix und fertig. Meine Stimmung hatte sich von *lass uns eins mit der Natur sein* hin zu *lass uns das hier ueberleben* entwickelt. Jegliches Stueck Stoff an meiner Haut trifte vor Wasser und die naechtliche Kaelte kroch mir den Ruecken hoch. Ich war in einem kompletten Survivalfilm gefangen und ratterte im Kopf einige Loesungsstrategien ab. Wechselklamotten? Keine dabei. Decke? Natuerlich nicht. ETWAS ZU ESSEN? Wir hatten noch einen halben Liter Wasser...

Nach einer weiteren halben Stunde Fussmarsch erreichten wir endlich die Hot Springs. Doch ich traute meinen Augen kaum: Der erste Badezuber war bis auf eine 10cm Pfuetze komplett leer!

... link (0 Kommentare)   ... comment


"What the hell are u doing here?" - Tja, wenn ich das wuesste...
"Wanna drink something?" Ehe ich mich versah hatte ich eine eisgekuehlte Coke in der Hand und war dabei sie runterzustuerzen. Ich hasse Cola, aber in diesem Moment kam es mir vor, als gaebe es nichts erfrischerendes und schmackhafteres auf der Welt als dieses Zuckergesoeff. Vor meinem inneren Auge lief der perfekte Werbespot ab: ich, verschwitzt und reichlich fertig an dieser Strassenecke irgendwo in Phoenix - ein Platz, den man eigentlich eher nach Mexiko als nach Amerika stecken wuerde, wo man mit Spanisch weiter kommt als mit Englisch... Und diese rettende Cola, die erloesend meine verstaubte Kehle runterran. Und auf einmal wurde laute Musik aufgedreht und die zerfallenen Haueser um mich rum erstrahlten in gleissendem Licht, die ueberall herumstehenden und mehr als skeptisch dreinblickenden Kleingruppen von Menschen loesten sich aus dem Dunkel der Strasse und fingen an ausgelassen und froehlich zu tanzen.. "So- again: What the hell are u doing here? Do you know where u actually are? This isn't a good place to be - especially not for a girl like u and especially not around this time!" riss mich Emanuel aus meinen Gedankenspinnereien. Ich schaute ihn an und seufzte. Das hoerte ich bereits zum dritten Mal & ich wusste, dass er Recht hatte; dass sie alle Recht hatten! Aber ich musste diese verdammte Adresse finden.. 2009 S 11th street - das musste doch genau hier sein! Nach ueber 2 Stunden herumirren hatte ich einfach bei jemanden an der Tuer geklopft, in der Hoffnung, hier kennen sich die Nachbarn untereinander. Nun stand Emanuel nebst seiner kompletten Familie mit mir auf der Strasse und versuchte herauszufinden, wo das entsprechende Haus zu finden sei. So langsam hatte ich den Glauben daran verloren, dass diese Adresse wirklich existierte, denn ich war die south 11th street schon 2mal hoch und runter gelaufen und hatte sogar das am Ende der Strasse liegende Industriegebiet zusammen mit 3 aetzend klaeffenden Koetern durchstreunert, die mich den ganzen Weg ueber verfolgten (eher weniger um mich netterweise im Dunkeln zu begleiten, sondern um ihr Revier zu sichern. Innerlich bereite ich mich schon auf eine neue Narbe in meiner Wade vor und machte 3 Kreuze, dass ich mich dann doch noch entschlossen hatte, die Auslandskrankenversicherung abzuschliessen. Am Ende liessen sie sich dann doch immer wieder durch boeses Fauchen dazu bewegen, ausreichend Sicherheitsabstand zu wahren..).

Waehrend ich weiter gedankenversunken an meiner Cola nippte, war mein neuer Freund und Helfer bereits rege dabei, dass Suchproblem anzugehen. Ein Hoch auf die heutige Technik! Mittels des integrierten GPS-Systems seines Mobiltelefons wollte er die genauen Koordinaten der Adresse ermitteln und stiess auf den entscheidenden Fehler: "Hey- this isn't the right adress! It must be 2009 N 11th street and not S for south!" Das erklaerte einiges. Die Adresse die ich suchte, war damit fast am komplett anderen Ende der Stadt. Emanuel bot an, mich dort mit dem Auto hinzubringen. Ich mochte ihn von der ersten Sekunde an & zoegerte daher keinen Moment, sein Angebot anzunehmen. Wir stiegen also in seinen Pick Up (Vorurteil definitiv bestaetigt - ich habe hier noch kein einziges Auto gesehen, welches auch nur annaeherend den Anschein machen wuerde umweltfreundlich zu sein, dafuer aber Dutzende, die anscheinend dafuer gebaut wurden, auch im Falle eines spontanen Kriegsausbruches fuer alle Eventualitaeten ausgestattet zu sein), seine juengeren Brueder kletterten auf den Ruecksitz und los ging es...

Auf der Fahrt quetschten die 3 mich natuerlich bis aufs kleinste Detail aus... Was mich denn ausgerechnet nach Phoenix verschlage? Fuer diese Stadt habe ich den weiten Weg nach Deutschland auf mich genommen? Zweifelnde Gesichter. Also versuchte ich in Kurzform zu umreissen wie es hierzu gekommen war. Das ich mir gerade ein paar Monate Zeit genommen habe, um endlich wieder zu reisen, dass ich Mexiko und Guatemala sehen wollte und mit einer Freundin wahrscheinlich Brasilien bereisen will. Da ich aber auch einen guten Freund habe, welcher hier in Phoenix und damit ziemlich nah an der mexikanischen Grenze lebe, wollte ich diese Gelegenheit nutzen und meinen Trip hier starten, um ihn zu besuchen. Warum er mich dann nicht vom Flughafen abgeholt haette, fragte Emanuel, er an seiner Stelle wuerde das tun. Ich musste leicht schmunzeln und biss mir auf die Lippe. "Well, it's a little bit complicated" antwortete ich ausweichend. "Actually he does not know that I am here to visit him."

"HE DOES NOT KNOW IT???" Emanuel fuhr dem Fahrer vor uns fast hinten drauf. "Jesus! You just arrived here without telling him this? But what happens if he is not there? What are u going to do then? What are WE going to do then?" Emanuel blickte mich halb besorgt, halb belustigt an. Ich musste lachen. "Darueber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist", meinte ich zu ihm. Und dass er sich deswegen keinen Kopf zu machen braucht, schliesslich sei es nicht sein Problem. Aber als ich mich dabei zu ihm umdrehte, wusste ich, dass er sich laengst so verantwortlich fuer mich fuehlte, dass er mich nicht irgendwo entlassen wuerde, ohne das Gefuehl zu haben, dass ich sicher aufgehoben bin. Ich fragte mich, ob ich bereits in meiner ersten Nacht wieder mit Mutter und Kindern in einem Bett unterkommen wuerde- diesmal bloss bei einer mexikanischen und nicht einer indischen Familie.

Wir fuhren & fuhren & quatschten & quatschten bis uns an der Ampelkreuzung ein Polizeiauto gegenueber stand. Ich bemerkte, wie Emanuel anfing, unruhig auf seinem Autositz hin & her zu rutschen. Ob alles in Ordnung sei, fragte ich. Er antwortete mit einer unbestimmten Kopfbewegung, welche meine Aufmerksamkeit von seinem Gesicht zurueck zum Polizeiauto wandern liess. "The police", zischte er zwischen sienen Zaehnen hervor. Ob es fuer ihn da ein Problem gaebe, hakte ich nach. "Ja, mehrere" meinte er. Zum einen funktioniere sein Blinklicht nicht, was Aufmerksamkeit auf sich ziehen koennte. Und zusammen mit seinem eindeutig lateinamerikanischem Aeusseren ein ziemliches Risiko fuer ihn sei. "You need to know that I am here illegally and that therewith I always need to take care, that I am not catched by the police". Die Stimmung gegenueber der grossen Anzahl illegaler Einwanderer habe sich mit dem vor 2 Tagen verabschiedeten Gesetz *SB 1070* nochmals verschlechtert. Dieses Gesetz erlaubt PolizistInnen, allein aufgrund eines bestimmten Auesseren einer Person (also vor allem augenscheinliche 'Hispanics') auf Verdacht an- und festhalten zu koennen. Hat diese Person keine Papiere dabei, hat die Polizei das Recht, sie sofort festzunehmen und ins Gefaengnis zu stecken. Vor diesem Gesetz war es erst moeglich die Aufenthalts- oder Einreisegenehmigung einer Person zu ueberpruefen, wenn der Verdacht auf eine weitere Straftat bestand. Gerade werde das Gesetz nochmal geprueft, denn wie Chris Newmann, Verantwortlicher des National Day Laborer Organizing Networks, betont, begruendet dieses Gesetz "a complete disregard for the nonwhites in Arizona. It criminalizes undocumented status and turns dishwashers, janitors, landscapers and our neighbours into criminals plus it effectively mandates racial profiling".

Das Polizeiauto faehrt an uns vorbei und wir alle atmen erleichtert auf. Wieviele illegals es ungefaehr gebe in Phoenix, frage ich. So genau wisse man das natuerlich nicht, aber es wird geschaetzt, dass es ca. eine halbe Million Menschen sind, sagt er und deutet froehlich auf eine Schule am Strassenrand, welche er die letzten paar Jahre besucht hat. Dann faengt er wieder an, unruhig auf seinem Sitz hin und her zu rutschen. Als er bemerkt, dass ich ihn wieder fragend anschaue, erklaert er: "We are almost there. I am so excited. How long haven't u seen each other u said? Over a year? Oh my god, hopefully he is there. And how will he react? Oh my god, this is so exciting!" Emanuel macht mir damit wieder bewusst, warum ich eigentlich in diesem Auto sitze. Wir biegen in die N 11th street ein und so langsam frage ich mich auch, ob das hier eigentlich so funktionieren wird, wie ich mir das vorstelle. Wir parken sein Auto am Strassenrand und laufen die Haeuser ab. 2009 N 11th street. Das ist es. Das kleine Haus liegt im Dunkeln, die Jalousien sind zugezogen. Ich sehe keine Klingel und klopfe an der Tuer. Warte. Klopfe nochmal. Ein Rascheln, ein Licht, Schluesselgeklimper und ein vertrautes Augenpaar, welches mich auf einmal durch einen einen Spalt in den Jalousien anschaut und dann Brandens Stimme: "What the fuck? You must be kidding me!"...

... link (0 Kommentare)   ... comment